IZT
international_zen_temple_de Introduction Zen Gong-An Dharma Speech Sutra Events Press
Dharma-Reden
des Ehrw. Zen-Meisters
Dharma-Rede zur 10-tägigen Intensivpraxis in Sommerswalde
Vesag-Fest 2543
Über das Herz-Sutra
Weitere Dharma-Reden
Interviews und weitere Dharma-Reden des Ehrw. Zen-Meisters finden Sie auch in unserem Pressearchiv.
Pressearchiv
Bildarchiv




20. September 2002
Die Ipje
-Dharma-Rede (Eröffnungs-Dharma-Rede)
der 10-tägigen Zen-Intensivpraxis,
Schloss Sommerswalde

Dharma-Rede des Ehrw. Zen-Meisters Young San Seong Do



(dreimal auf das Dharma-Pult mit dem Zen-Stab schlagend)

Was ist der Dharma?

Buddha sagt: Alles, was Merkmale hat, ist unwahr und falsch. Wenn Du alle Merkmale als Nicht­­-Merkmale siehst, dann kann der Tathagata (die wahre Natur) gesehen werden.”

Dies bedeutet, dass du die Anhaftung an alle Formen abschneiden und dein wahres Selbst erlangen solltest.

(den Zen-Stab hochhaltend)

Wenn du diesen Stab siehst und auch nur einen einzigen Gedanken entstehen lässt, dann haftest du schon an der Form dieses Stabes an.

(auf das Dharma-Pult mit dem Zen-Stab schlagend)

Wenn du dieses Geräusch hörst und auch nur eine einzige abgesonderte Meinung entstehen lässt, dann fällst du auch in das Geräusch.

Dann: Wie kannst du frei sein von solchen Anhaftungen an Formen und Geräusche?

Aaak!.................. (ein Schrei, der auf Koreanisch „Hal” genannt wird)
Leg alles nieder!

Was ist es, das sieht und hört? Wer auch immer in dieses Tor eintritt muss alles loslassen und seinen Geist klar machen.

(nach einer Pause)

Guten Abend. Ich heiße euch von ganzem Herzen willkommen und danke euch für eure Teilnahme an dieser 10-tägigen Intensivpraxis, trotz eurer dichten Zeitpläne.

(einen Zen-Vers vortragend)

„Durch einen dichten Wald gehen, auf der Suche nach meinem alten Zuhause
Auf das Krähen eines hölzernen Hahnes im Morgengrauen
Wusste ich, dass ich endlich zurückgekehrt war.
Beim Eintreten in den Garten meines alten Hauses
Ist die Weide noch immer grün und sind die Blumen noch immer rot.

Was ist euer wahres Zuhause? Wo in etwa liegt es?

Ein bedeutender Lehrer trug vor:

„Mit leeren Händen in diese Welt zu kommen
Mit leeren Händen in die andere Welt zu gehen
Das ist unser Leben.
Als ich geboren wurde, woher kam ich?
Wenn ich sterbe, wohin werde ich gehen?
Das Leben ist wie eine treibende Wolke die erscheint.
Der Tod ist wie eine treibende Wolke die verschwindet.
Ursprünglich: Keine treibende Wolke als solche.
Das Gleiche gilt für Leben und Tod, Kommen und Gehen.
Aber ein Ding ist da, das immerzu klar scheint.
Ursprünglich ist es frei von Leben und Tod.

Wozu leben wir? Was ist der wahre Zweck unseres Lebens?

Im obigen Zen-Vers heißt es: „Ein Ding ist da, das immerzu klar scheint.”

Was bedeutet dieses „eine Ding“?

Der obige Zen-Vers bringt das Leben in gelassener Heiterkeit, immerzu seinen eigenen Geist betrachtend, gut zum Ausdruck. Und so ist das Betrachten des eigenen Geistes die größte Freude für einen Praktizierenden und seinen Geist rein und klar zu halten ist der wahre Zweck des Lebens eines Praktizierenden.  

(einen Zen-Vers vortragend)

„Was ist das für ein Ding?
Wenn du diese Botschaft klar verstehst
Selbst wenn da ein Körper ist, in Lumpen gehüllt
So wandelt der Geist, gemächlich und friedlich
Immerzu auf dem Prajna-Gipfel.

Vor 2500 Jahren gab Buddha Predigten über das Lotus-Sutra auf dem Grdhrakuta Berg (Geier-Gipfel). Eines Tages bestieg Buddha das Dharmapodest, setzte sich nieder und schwieg für eine lange Zeit. Die große Ansammlung von Praktizierenden war verwundert and starrte ihn an, voller Neugier. Inmitten dieser Stille hob Buddha langsam eine Lotusblume nach oben und zeigte sie den Versammelten. Niemand konnte verstehen warum Buddha ihnen eine Blume entgegenhielt. Ganz weit hinten in der Menge, in Lumpen gehüllt, saß Mahakashyapa mit einem großen Lächeln im Gesicht. Als Buddha ihn sah verkündete er den Versammelten:

Die wahrhaftige Erleuchtung des Tathagata ist jetzt an Mahakashyapa übertragen worden!”

Auf diese Weise hat Mahakashyapa das Dharmasiegel des Buddha“ erhalten und wurde der Erste in der Reihe der Patriarchen.

Aber das ist natürlich für Praktizierende wie wir es sind nichts als eine Geschichte, von Menschen erzählt. Sie ist überhaupt nicht relevant für unser Leben. Was jedoch wichtig für uns ist, ist zu verstehen, warum Buddha eine Blume hochgehalten hat, anstatt eine Dharma-Predigt zu halten, und warum Mahakashyapa gelächelt hat. Das ist von überragender Wichtigkeit für Praktizierende.

Wir müsen wissen, dass Buddha zweifellos ein Hilfsmittel benutzt hat in seinem Versuch, uns etwas zu erleuchten und dass Mahakashyapa in die genaue Bedeutung vorgedrungen ist, die der Buddha intendiert hatte.

Deshalb, wenn wir nur die Bedeutung von Mahakashyapas Lächeln durchdringen könnten, dann könnten wir auch die Bedeutung von Buddhas Hochhalten einer Blume durchdringen.

Dann: Was ist die wirkliche Bedeutung von Mahakashyapas Lächeln?

Natürlich sollte die Bedeutung nicht in Worten wiedergegeben werden da es streng verboten ist, den Schlüssel zu einem Gongan (Koan) preiszugeben. Aber hier möchte ich, die Worte eines bedeutenden Lehrers zu Hilfe nehmend, einen Hinweis geben.

Ein bedeutender Lehrer sagte:  Mahakashyapas Lächeln war ein spöttisches Lächeln.”

Dann will ich euch nochmals fragen: Warum hat Mahakashyapa über das Hochhalten einer Blume durch Buddha gelacht?

Werte Praktizierende, was seht ihr jetzt? Was hört ihr jetzt? Und was beabsichtigt ihr durch diese 10-tägige Intensivpraxis zu erreichen?

Buddha verkündete: „Es gibt da kein gesondertes Sehen, kein gesondertes Hören.” Und er fuhr fort: „Es gibt da kein gesondertes Ding zu erlangen, noch ist da etwas, das erreicht werden könnte.

Demnach sollten wir Praktizierenden, unser Leben lang auf unseren Meditationskissen sitzend, nur sehen, was gesehen werden muss, nur hören, was gehört werden muss und die ursprüngliche Botschaft von „kein gesondertes Erlangen oder Verlieren” verwirklichen.

Nur zu sehen, was gesehen werden muss bedeutet, dein wahres Selbst zu sehen. Wenn du dein wahres Selbst siehst, dann werden du und alle Formen eins. Nur zu hören, was gehört werden muss bedeutet, den Klang deines wahren Selbst' zu hören. Wenn du begreifst, dass alle Klänge dein eigener Klang sind, dann werden du und alle Klänge eins.
Wenn du und alle Phänomene auf diese Weise wirklich eins geworden sind, dann wird das Samadhi - Nicht- Geist” - genannt. Aber tatsächlich gibt es noch nicht einmal etwas, das gesondert als Geist oder Nicht-Geist bezeichnet werden könnte.

Genau jetzt, wenn ihr Praktizierenden wirklich nur das Ding sehen würdet, das gesehen werden muss, dann könntet ihr, während ihr meiner Dharmarede zuhört, gar nicht anders als zu lächeln wie Mahakashyapa, d.h. dass euer Lächeln dann ebenso ein spöttisches Lächeln genannt werden könnte. Aber wenn ihr meiner Stimme oder meiner Gestalt verfallen seid, ohne zu sehen, was wirklich gesehen werden muss, dann könnten manche von euch sogar verrückt werden.

Das bedeutet, dass jemand, der den Dharma außerhalb seines Geistes oder als etwas Abgsondertes innerhalb seines Geistes sucht, beständig Namen und Formen verfällt. Solch eine Person würde, selbst wenn Buddha in eben diesem Moment eine Blume vor ihr hochhalten würde, an der Form der Blume anhaften oder sich sofort über die Absichten des Buddhas oder den Grund für sein Handeln Gedanken machen.

Warum? Weil eine solche Person nicht über das Geist-Auge verfügt, um zurück in ihr wahres Selbst zu sehen. Wenn ein außergewöhnliches Phänomen erscheint, dann wird eine solche Person leicht ihren Geist verlieren und zum Opfer der Situation werden. Diese Art von Menschen, verwirrt durch ihr eigenes Denken, glauben immerzu, dass ihre Gedanken Buddha oder Gott sind. Wie können sie jemals die Wahrheit erfahren?

Ein Seon (jap.: Zen)-Praktizierender muss, auf welches Hindernis auch immer er stößt, mit einem einzigen Gedanken das Geist-Auge öffnen durch das er das Licht des Bewusstseins zurück zu seinem Ursprung drehen und seine wahre Natur betrachten kann. Dann, sich gewahrwerdend, dass es da kein Ding abgetrennt von ihm gibt, wird er begreifen, dass alles sein wahres Selbst ist. Das bedeutet nichts anderes als: Berg ist Berg und Wasser ist Wasser.

(einen Zen-Vers vortragend)

„Ursprünglich gibt es keine Spur von Auge und Ohr.
Wer hat inmitten all dessen wirklich das helle Gewahrsein?

Wenn einst der Körper sich dahin wendet, wo sogar Leerheit aufhört,
dann sind Hundegebell und Eselsgeschrei allesamt nur Arten zu Sein.

Ich frage euch noch einmal: Wie versteht ihr Mahakashyapas Lächeln?

Wenn ihr diese Bedeutung begreifen wollt, lasst alle Gedanken los und haltet fest an der Frage: Was ist dies? Wer bin ich?
Indem ihr mit einer klaren Frage zurück auf euer Selbst blickt, könnt ihr begreifen, dass das einzige Ding in diesem gesamten Universum über das ihr in vollkommener Unwissenheit gewesen seid tatsächlich euer wahres Selbst gewesen ist.

Man muss unablässig in das Unbekannte vordringen mit einer ernsthaften Frage. Wenn man dabei jedoch analytisches Denken hervorbringt und darüber eine Antwort erhält wäre das so erbärmlich, wie sich an den Schwanz eines Dämonen zu klammern. Deshalb, wenn solch eine erfreuliche oder herrliche Antwort entsteht, kehre sofort zurück zum Zweifel und frage dich: Wer ist es, der diese Antwort kennt?                                                 

Jetzt frage ich euch noch einmal: Als Buddha die Blume in seiner Hand hochhielt, was hat Mahakashyapa gesehen?

Wenn du antwortest: Mahakashyapa hat seinen Geist gesehen!”, dann werde ich dir 30 Schläge mit diesem Stab versetzen. Warum? Wenn Mahakashyapa seinen Geist” gesehen hat, was ist denn dann Mahakashyapas Geist?
Aber auch wenn du antworten würdest: Mahakashyapa hat seinen Geist nicht gesehen!”, dann würde ich dich auch 30 mal schlagen, weil: Was ist denn dann jetzt Mahakashyapas Nicht-Geist”? Wer erzeugt seinen Geist und seinen Nicht-Geist?

Dann: Wie kommst du um meine 30 Schläge herum?

Lass alles los! Kehre unmittelbar zum Was ist dies?”-Gongan (Koan) zurück! Dann wird dein Geist rein und klar sein. Und dann wird diese Welt leer sein wie der weite Raum.

Auf diese Weise wird jeder, der sein wahres Selbst findet und hält, niemals das Lächeln, wie es der Patriarch Mahakashyapa hatte, verlieren - zu keiner Zeit und an keinem Ort. Und genauso wie Buddha den in Lumpen gekleideten Mahakashyapa ausfindig gemacht hat, obwohl er ganz weit hinten saß, von der Menge verdeckt, so wird Buddha immer über euch wachen und euch beschützen.

Ich hoffe, dass ihr alle zehn Tage lang hart praktizieren und großartige Ergebnisse erzielen werdet.


International-Zen-Temple | Oranienstraße 22 | 10999 Berlin | Germany ^ TOP