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Das Diamant-Sutra – Vajra-Prajnaparamita-Sutra



„Das Diamant-Sutra nimmt
‘Keine Merkmale’
als seine Wurzel,
‘Nicht-Weilen’ als seinen
Körper und
‘Absolute Wirklichkeit’
als seine Aufgabe
.






Der Zen-Praxis-Weg im
Diamant-Sutra
Aus einer Dharma-Rede des
Ehrw. Zen-Meisters

Das Diamant-Sutra beschreibt den Weg der Praxis. Im seinem ersten Teil (bis Kapitel 12) wird theoretisch gelehrt: Der Praktizierende soll sich von der Anhaftung an die Merkmale befreien, indem er alles niederlegt. Im zweiten Teil (ab Kapitel 13) wird dies aus Sicht der Praxis, also immer bezogen auf den Geist, näher dargestellt.

Kapitel 13 („Den Soheits-Dharma annehmen und bewahren“) beschreibt den Beginn der wahren Praxis. Denn was ist Soheit? Die Reinheit des Geistes, frei von aller Anhaftung, jenseits aller Merkmale. Hier lässt sich der Praktizierende auf dem Kissen nieder, legt alles ab, klärt seinen Geist und hält mit dem Koan Innenschau. Diese zwei Schritte, zuerst alles niederzulegen und dann das Koan aufrechtzuerhalten sind dabei von allergrößter Wichtigkeit. Frei von allen Merkmalen zu werden, bedeutet Soheit zu verwirklichen. Ohne die fortwährende Praxis mit dem Koan aber, kann die Soheit nicht bewahrt werden.

Das vollkommene Haltens des Koans, frei von allen Merkmalen, wird Koan-Samadhi genannt (Kapitel 14: „Stille Auslöschung jenseits von Merkmalen“). Doch dieser Zustand ist nur schwer aufrechtzuerhalten: Er wird schwächer oder schwindet, sobald sich der Praktizierende vom Kissen erhebt, und erst recht, wenn er die Praxis aufgibt. Daher ist es von so großer Bedeutung, dass er mit Ausdauer, Beharrlichkeit und Geduld immer weiter praktiziert und so unbedingte Segnungen erlangt (Kapitel 15: „Die verdienstvolle Tugend, das Sutra zu bewahren“).

Wer so beharrlich praktiziert, bringt das ganze in der Vergangenheit aufgehäufte Karma, das ihm bisher so viele Hindernisse bereitet hat, nach und nach zum Schmelzen (Kapitel 16: „Karmische Behinderung kann bereinigt werden“). Hast du dein Karma geschmolzen, dann wirst du gewahr, dass es im Grunde kein Selbst gibt (Kapitel 17: „Kein Selbst im Letzten“). Du wirst eins mit allem. Aber sogar „Eins“ ist nur ein Hilfsmittel, von dem du dich befreien musst. So kannst du eine von allen Unterscheidungen freie Sicht des Ganzen verwirklichen (Kapitel 18: „Identische Ansicht des Ganzen“).

Dann sitzt du zwar im Dharma-Raum auf dem Kissen, aber die ganze Welt steht dir klar und offen vor Augen. Das ist kein Sehen unter Beteiligung eines Subjekts, das wahrnimmt, und eines Objekts, das wahrgenommen wird. Es ist die intuitive Kraft des vollkommenen Einswerdens mit allem (Kapitel 19: „Durchdringung der Dharma-Reiche“). Dein Leben ist das ganze Universum und das Universum ist dein ganzes Leben. Dieses „All-Durchdringen“ ist ein Zustand der Verzückung!

Wenn aber die Götter, die sich an den himmlischen Wonnen erfreuen, und die fühlenden Wesen, die in der Welt leiden, vollkommen eins sind, was sucht dann der Praktizierende? Das weißt du nicht? Dann musst du deinen Zweifel darauf richten! Auf diesen Punkt, den du nicht kennst, richte die große Frage: Was ist dies?



Frontispiz des Tun Huang-Drucks des Diamant-Sutras, 868 n. Chr., British Museum



Der Sechste Patriarch Hui Neng sagte:
„Dieses eine Sutra besteht ursprünglich in der Natur lebender
Wesen.
Einer, der es nicht selbst sieht, sollte es, indem er sich nur auf
die Wörter und Begriffe verlässt, lesen und vortragen.
Aber wenn einer seine wahre Natur erleuchten würde, dann,
zum ersten Mal, könnte er wahrnehmen, dass dieses Sutra
nicht aus den Wörtern und Begriffen bestehen würde.“


MANTRA
OM NAMO BHAGAVATYAI-ARYA-PRAJNAPARAMITAYAI




ANRUFUNG
GEPRIESEN SEI DIE VOLLENDUNG DER WEISHEIT,
DIE HOLDE, DIE HEILIGE!

Strophe zur Eröffnung des Sutras
Dem unübertroffenen, tiefgründigen und wunderbaren Dharma
ist schwer zu begegnen in hunderten
von tausenden von zehntausenden von Kalpas.
Jetzt sehe und höre ich ihn,
nehme ihn an und bewahre ihn und gelobe,
die wahre Bedeutung des Tathagata zu ergründen.

Kein Teil dieser Übersetzung darf ohne Erlaubnis des International Zen-Temple gem. e.V. reproduziert werden. © 2010. Alle Rechte vorbehalten.



Der chinesische Text von Kumarajiva
Übersetzt durch den Ehrw. Zen-Meister Young San Seong Do



Das Wesen Buddhistischer Weisheit

DAS DIAMANT-SUTRA
Vajra-Prajnaparamita-Sutra


1. Der Grund für die Dharma-Versammlung

So habe ich gehört: Einmal hielt sich der Buddha im Kloster des Anathapindika im Jeta-Hain in der Nähe von Sravasti mit einer Versammlung von 1.250 großartigen Bhikshus auf.

Als die Essenszeit kam, zog der Von der Welt Verehrte Eine Seine Robe an, nahm Seine Patra-Schale und begab sich in die große Stadt von Sravasti, wo Er von Haus zu Haus ging und um Essensspenden bettelte.

Nachdem Er zum Hauptkloster zurückgekehrt war und Sein Mahl gegessen hatte, legte Er Seine Robe und Patra-Schale beiseite, wusch Seine Füße, ordnete Seinen Sitz und ließ sich nieder.


2. Subhuti stellt eine Frage

Zu diesem Zeitpunkt erhob sich der Ehrwürdige  Subhuti, welcher sich inmitten der Versammlung aufhielt, von seinem Platz, entblößte die rechte Schulter, beugte sein rechtes Knie zu Boden und sagte mit ehrerbietig aneinander gelegten Händen zum Buddha: So einzigartig seid Ihr, Von der Welt Verehrter Einer! Wie gut sind alle Bodhisattvas vom Tathagata behütet worden! Wie gut sind alle Bodhisattvas vom Tathagata ermutigt worden!

Wie also, Von der Welt Verehrter Einer, sollten gute Männer oder gute Frauen, die den Geist der Anuttara-Samyak-Sambodhi erwecken, weilen (leben) und wie sollten sie ihren Geist bezwingen (beherrschen)?

Der Buddha sagte: So ist es, so ist es, Subhuti! Wie Du sagst, sind alle Bodhisattvas vom Tathagata gut behütet worden, und alle Bodhisattvas sind vom Tathagata gut ermutigt worden. Höre nun gut und aufmerksam zu! Ich werde es für Dich erläutern. Gute Männer oder gute Frauen, die den Geist der Anuttara-Samyak-Sambodhi erwecken, sollten so weilen und sie sollten ihren Geist so bezwingen.

So sei es, Von der Welt Verehrter Einer! Gewiss will ich Euch mit großer Freude zuhören.


3. Die rechte Lehre des Mahayana

Der Buddha sagte zu Subhuti: Alle Bodhisattva-Mahasattvas sollten so ihren Geist bezwingen.

Alle Arten und Gattungen von existierenden fühlenden Wesen – aus Eiern geschlüpft, aus dem Schoß geboren, aus Feuchtigkeit geboren oder durch Verwandlung entstanden; mit Form oder ohne Form, mit Wahrnehmung oder ohne Wahrnehmung, mit weder Wahrnehmung noch Nicht-Wahrnehmung, – all diese muss ich in das Nirvana ohne Rest führen und sie (von allen Leiden) befreien. Und dennoch ist, selbst wenn unermesslich, unzählbar und unbegrenzt viele fühlende Wesen so befreit worden sind, tatsächlich kein fühlendes Wesen befreit worden.

Und warum? Subhuti, weil ein Bodhisattva, der die Vorstellung von einem Selbst, die Vorstellung von einer Person, die Vorstellung von einem fühlenden Wesen oder die Vorstellung von einer Lebensspanne hat, kein Bodhisattva ist.


4. Tiefgründige Übung ohne Weilen

Überdies, Subhuti, sollte ein Bodhisattva Barmherzigkeit ausüben, ohne in irgendwelchen Objekten zu weilen, das heißt er sollte Barmherzigkeit ausüben, ohne in Formen zu weilen, und ohne in Geräuschen, Gerüchen, Geschmack, Berührungen oder Dharmas zu weilen, sollte er Barmherzigkeit ausüben.

Subhuti, so sollte ein Bodhisattva Barmherzigkeit ausüben, und er sollte nicht in irgendwelchen Merkmalen weilen. Und warum? Wenn ein Bodhisattva Barmherzigkeit ausüben würde, ohne in Merkmalen zu weilen, wäre sein gesegnetes Verdienst unerdenklich und unermesslich.

Was denkst Du, Subhuti, kannst Du all den leeren Raum ermessen, der sich nach Osten ausdehnt?
In der Tat, nein, Von der Welt Verehrter Einer.

Subhuti, kannst Du all den leeren Raum ermessen, der sich nach Süden ausdehnt, nach Westen, nach Norden, oder in die vier dazwischen liegenden Richtungen oder nach oben und nach unten?
In der Tat, nein, Von der Welt Verehrter Einer.

Subhuti, genauso unerdenklich und unermesslich ist das gesegnete Verdienst des Bodhisattvas, der Barmherzigkeit ausübt, ohne in irgendwelchen Merkmalen zu weilen.

Subhuti, ein Bodhisattva sollte so weilen, wie es gelehrt worden ist.


5. Das wirkliche Sehen der „Soheits-Wahrheit“

Was denkst Du, Subhuti, kann der Tathagata anhand Seiner körperlichen Merkmale gesehen werden?

Nein, Von der Welt Verehrter Einer. Anhand Seiner körperlichen Merkmale kann der Tathagata nicht gesehen werden. Und warum? Die körperlichen Merkmale, die vom Tathagata gelehrt worden sind, sind keine körperlichen Merkmale.

Der Buddha sagte zu Subhuti: 

Alles, was Merkmale hat,
Ist unwahr und falsch.
Wenn jemand alle Merkmale als Nicht-Merkmale sieht,
Dann kann er den Tathagata sehen.


6. Wahrer Glaube ist selten

Subhuti sagte zum Buddha: Von der Welt Verehrter Einer, wenn in der Zukunft einige fühlende Wesen diese Worte oder Sätze hören sollten, werden sie wirklich an sie glauben?

Der Buddha sagte zu Subhuti: Sprich nicht so. Sogar in den Tagen der letzten fünfhundert Jahre nach dem Verscheiden des Tathagata wird es immer noch solche geben, die ihre Segnungen pflegen, indem sie die Gebote befolgen, sodass sie dazu fähig sein werden, einen Glauben an diese Worte oder Sätze zu haben, und sie für wahr halten werden.

Du solltest wissen, dass solche Menschen nicht nur ihre guten Wurzeln unter einem Buddha, zwei Buddhas, drei, vier oder fünf Buddhas gepflanzt haben würden, sondern sie würden alle ihre guten Wurzeln bereits unter zahllosen zehn Millionen Buddhas gepflanzt haben.

Deshalb werden sie, wenn sie diese Worte oder Sätze hören sollten, einen einzigen Gedanken reinen Glaubens erwecken.

Subhuti, der Tathagata weiß vollständig und sieht vollständig, dass all diese fühlenden Wesen unermessliches gesegnetes Verdienst so erlangen werden. Und warum? Sie werden nimmermehr die Vorstellung von einem Selbst, von einer Person, von einem fühlenden Wesen oder von einer Lebensspanne haben. Sie werden weder die Vorstellung von einem Dharma noch die Vorstellung von einem Nicht-Dharma (Adharma) haben.

Und warum? Weil all diese fühlenden Wesen, wenn sie in ihrem Geist irgendwelche Merkmale ergreifen würden, einem Selbst, einer Person, einem fühlenden Wesen oder einer Lebensspanne anhaften würden, und selbst wenn sie die Vorstellung von einem Dharma ergreifen würden, würden sie ebenfalls einem Selbst, einer Person, einem fühlenden Wesen oder einer Lebensspanne anhaften. Und warum? Selbst wenn sie die Vorstellung von einem Nicht-Dharma ergreifen würden, würden sie ebenfalls einem Selbst, einer Person, einem fühlenden Wesen oder einer Lebensspanne anhaften. Deshalb solltest Du weder einen Dharma ergreifen, noch solltest Du einen Nicht-Dharma ergreifen.

Aus diesem Grund hat der Tathagata stets folgende Worte gelehrt: „All Ihr Bhikshus solltet wissen, dass der von Mir gelehrte Dharma mit einem Floß verglichen werden muss; selbst der Dharma sollte aufgegeben werden, umso mehr ein Nicht-Dharma.“


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7. Weder Erreichen noch Lehren

Was denkst Du, Subhuti, hat der Tathagata die Anuttara-Samyak-Sambodhi erreicht, oder hat der Tathagata jemals irgendwelche Dharmas gelehrt?

Subhuti sagte: Wie ich die Bedeutung der Lehre des Buddha verstehe, gibt es weder einen feststehenden Dharma, der als Anuttara-Samyak-Sambodhi bezeichnet werden kann, noch gibt es einen feststehenden Dharma, der vom Tathagata gelehrt werden kann.

Und warum? Der Dharma, den der Tathagata gelehrt hat – er kann nicht ergriffen werden, und über ihn kann nicht gesprochen werden; er ist weder ein Dharma noch ein Nicht-Dharma. Warum ist das so? Weil alle Weisen und Heiligen Unterscheidungen auf der Grundlage des unbedingten Dharmas (asamskrta) treffen.


8. Aus dem Dharma hervorgehen

Was denkst Du, Subhuti, wenn jemand die Dreitausend Großtausend Weltsysteme mit den sieben Kostbarkeiten gefüllt hätte und sie dann alle aus Barmherzigkeit weggeben würde, würde er damit eine große Anhäufung gesegneten Verdienstes erlangen?

Subhuti sagte: Eine sehr große, Von der Welt Verehrter Einer. Und warum? All solches gesegnetes Verdienst ist nicht die Natur des gesegneten Verdienstes. Deshalb bezeichnet der Tathagata das gesegnete Verdienst als groß.

Wenn aber ein anderer von diesem Sutra auch nur eine Strophe von vier Zeilen annehmen und bewahren und sie anderen erleuchten würde, wäre seine Segnung größer als die zuvor genannte.

Und warum? Subhuti, all die Buddhas und der Dharma der Anuttara-Samyak-Sambodhi aller Buddhas gehen aus diesem Sutra hervor. Subhuti, der sogenannte Buddhadharma ist nicht Buddhadharma.


9. Ein einziges Merkmal ist kein Merkmal

Was denkst Du, Subhuti, kann ein Srotapanna diesen Gedanken haben: „Von mir ist die Frucht des Srotapanna erlangt worden“?

Subhuti sagte: In der Tat, nein, Von der Welt Verehrter Einer. Und warum? Weil Srotapanna jemand genannt wird, der in den Strom (eines Heiligen) eingetreten ist, doch tatsächlich ist er nirgendwo eingetreten, das heißt er ist nicht eingetreten in Formen, Geräusche, Gerüche, Geschmack, Berührungen und Dharmas. Deshalb wird er Srotapanna genannt.

Was denkst Du, Subhuti, kann ein Sakrdagamin diesen Gedanken haben: „Von mir ist die Frucht des Sakrdagamin erlangt worden“?

Subhuti sagte: In der Tat, nein, Von der Welt Verehrter Einer. Und warum? Weil Sakrdagamin jemand genannt wird, der nur einmal geht und zurückkehrt, doch tatsächlich gibt es kein Gehen-und-Zurückkehren. Deshalb wird er Sakrdagamin genannt.

Was denkst Du, Subhuti, kann ein Anagamin diesen Gedanken haben: „Von mir ist die Frucht des Anagamin erlangt worden“?

Subhuti sagte: In der Tat, nein, Von der Welt Verehrter Einer. Und warum? Weil Anagamin jemand genannt wird, der nicht zurückkehrt, doch tatsächlich gibt es kein Nicht-Zurückkehren. Deshalb wird er Anagamin genannt.

Was denkst Du, Subhuti, kann ein Arhat diesen Gedanken haben: „Von mir ist die Arhatschaft erlangt worden“?

Subhuti sagte: In der Tat, nein, Von der Welt Verehrter Einer. Und warum? Weil es tatsächlich keinen Dharma gibt, der Arhat genannt werden kann. Von der Welt Verehrter Einer, wenn ein Arhat den Gedanken haben sollte: „Von mir ist die Arhatschaft erreicht worden“, dann würde er ein Selbst, eine Person, ein fühlendes Wesen und eine Lebensspanne ergreifen.

Von der Welt Verehrter Einer, der Buddha hat erklärt, dass ich der Vorderste von denen sei, die das Samadhi ohne Kampf (Arana-Samadhi) erreicht haben. Das bedeutet, der Vorderste von allen Arhats, die frei von Begierde sind. Und dennoch habe ich keinen solchen Gedanken wie „Ich bin ein Arhat frei von Begierde“.

Von der Welt Verehrter Einer, wenn ich den Gedanken hätte: „Von mir ist die Arhatschaft erreicht worden“, würde der Von der Welt Verehrte Eine nicht erklären: „Subhuti, Du bist einer, welcher sich an der Praxis ohne Kampf (Arana-Viharin) erfreut“. Weil Subhuti dies aber tatsächlich niemals getan hat, sagt man, Subhuti erfreue sich am Arana-Viharin.


10. Das Ausschmücken reiner Länder

Der Buddha sagte zu Subhuti: Was denkst Du, gab es irgendeinen Dharma, den der Tathagata erreicht hat, als Er in der fernen Vergangenheit unter dem Buddha Dipankara praktizierte?

Subhuti sagte: In der Tat nicht, Von der Welt Verehrter Einer. Es gab tatsächlich keinen Dharma, den der Tathagata erreicht hat, als Er unter dem Buddha Dipankara praktizierte.

Was denkst Du, Subhuti, schmückt ein Bodhisattva Buddha-Länder aus?

In der Tat, nein, Von der Welt Verehrter Einer. Und warum? Weil das Ausschmücken der Buddha-Länder kein Ausschmücken ist; nur sein Name ist Ausschmücken.

Deshalb, Subhuti, sollten alle Bodhisattva-Mahasattvas ihren reinen Geist so erzeugen. Sie sollten ihren Geist erzeugen, ohne in irgendwelchen Formen zu weilen, und ohne in Geräuschen, Gerüchen, Geschmack, Berührungen und Dharmas zu weilen, sollten sie ihren Geist erzeugen.

Ohne irgendwo zu weilen, sollten sie ihren Geist erzeugen.

Subhuti, angenommen, es gäbe, bildlich gesprochen, einen Mann mit einem Leib so groß wie Sumeru, der König der Berge, was denkst Du, wäre dieser Leib groß?

Subhuti sagte: Außerordentlich groß, Von der Welt Verehrter Einer. Und warum? Weil der Buddha einen Nicht-Leib einen großen Leib genannt hat.


11. Die Überlegenheit der unbedingten Segnungen

Was denkst Du, Subhuti, wenn es so viele Ganges-Flüsse wie die Zahl der Sandkörner im Ganges gäbe, würden die Sandkörner in all diesen Ganges-Flüssen viele sein?

Subhuti sagte: Sehr viele, Von der Welt Verehrter Einer. Selbst all die Ganges-Flüsse wären schon unzählbar, umso mehr erst all die Sandkörner in ihnen.

Subhuti, ich werde Dir jetzt die Wahrheit sagen. Wenn ein guter Mann oder eine gute Frau so viele Dreitausend Großtausend Weltsysteme wie es Sandkörner in all diesen Ganges-Flüssen gibt mit den sieben Kostbarkeiten gefüllt hätte, und sie alle aus Barmherzigkeit weggeben würde, würde er oder sie große Segnungen erlangen?

Subhuti sagte: Sehr große, Von der Welt Verehrter Einer.

Der Buddha sagte zu Subhuti: Wenn ein guter Mann oder eine gute Frau von diesem Sutra auch nur eine Strophe von vier Zeilen annehmen und bewahren und sie anderen erleuchten würde, so wäre dieses gesegnete Verdienst weit größer als das zuvor genannte.


12. Verehrung der rechten Lehre

Überdies, Subhuti, solltest Du wissen, dass wo immer dieses Sutra oder auch nur eine Strophe von vier Zeilen daraus erleuchtet wird, diesem Ort genauso wie dem Stupa oder Schrein des Buddha von den ganzen Reichen der Himmel, Menschen und Asuras Opfergaben dargebracht werden sollten; um wie viel mehr dann erst denjenigen, die dieses Sutra ganz und gar annehmen und bewahren, lesen und vortragen können.

Subhuti, Du solltest wissen, dass eine solche Person den  höchsten und allerseltensten Dharma verwirklicht. Wo auch immer dieses Sutra bewahrt wird, sollte dieser Flecken Erde so sein, als ob entweder der Buddha oder Seine ehrwürdigen Schüler dort zugegen wären.


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13. Den Soheits-Dharma annehmen und bewahren

Da sagte Subhuti zum Buddha: Von der Welt Verehrter Einer, wie soll dieses Sutra genannt werden und wie sollen wir es im Geist halten?

Der Buddha sagte zu Subhuti: Der Name dieses Sutras ist Vajra Prajnaparamita, und unter diesem Namen solltet Ihr es im Geist halten. Warum ist das so? Subhuti, das Prajnaparamita, das der Buddha gelehrt hat, ist nicht Prajnaparamita. Deshalb wird es Prajnaparamita genannt.

Was denkst Du, Subhuti, gibt es irgendeinen Dharma, den der Tathagata gelehrt hat?
Subhuti sagte zum Buddha: Von der Welt Verehrter Einer, nichts ist vom Tathagata gelehrt worden.

Was denkst Du, Subhuti, gibt es viele Staubteilchen in den Dreitausend Großtausend Weltsystemen?
Subhuti sagte: In der Tat, viele, Von der Welt Verehrter Einer.

Subhuti, alle Staubteilchen, über die der Tathagata gelehrt hat, sind keine Staubteilchen; sie sind nichts als ein Name, und das Weltsystem, über das der Tathagata gelehrt hat, ist ebenfalls kein Weltsystem; deshalb wird es Weltsystem genannt.

Was denkst Du, Subhuti, kann der Tathagata anhand der zweiunddreißig Merkmale gesehen werden?

In der Tat, nein, Von der Welt Verehrter Einer. Anhand der zweiunddreißig Merkmale kann der Tathagata nicht gesehen werden. Und warum? Die zweiunddreißig Merkmale, über die der Tathagata gelehrt hat, sind keine Merkmale; deshalb werden sie die zweiunddreißig Merkmale genannt.

Subhuti, wenn ein guter Mann oder eine gute Frau im Ausüben von Barmherzigkeit so viele Leben hingeben würde wie es Sandkörner im Ganges gibt, – und wenn ein anderer von diesem Sutra auch nur eine Strophe von vier Zeilen annehmen und bewahren und sie anderen erleuchten würde, so wären die Segnungen des Letzteren weit größer.


14. Stille Auslöschung jenseits von Merkmalen

Als Subhuti hörte, wie dieses Sutra gelehrt wurde, und seiner tiefen Bedeutung gewahr wurde, war er zu Tränen gerührt und sagte zum Buddha: Wie einzigartig Ihr seid, Von der Welt Verehrter Einer! Ich habe niemals zuvor ein so tiefgründiges vom Buddha gelehrtes Sutra vernommen, nicht einmal mit dem in meinen ganzen früheren Leben erlangten Auge der Weisheit.

Von der Welt Verehrter Einer, wenn jemand, der dieses Sutra hört, mit reinem Geist an es glauben würde, dann würde er das Merkmal der Wirklichkeit erzeugen. Wir sollten wissen, dass eine solche Person die seltenste Art von verdienstvoller Tugend verwirklichen würde. Von der Welt Verehrter Einer, das Merkmal der Wirklichkeit ist kein Merkmal. Deshalb wird es vom Tathagata das Merkmal der Wirklichkeit genannt.

Von der Welt Verehrter Einer, jetzt ist es nicht schwierig für mich, dieses Sutra zu hören und an es zu glauben, es zu verstehen, anzunehmen und zu bewahren. Wenn es aber in einer zukünftigen Periode, in den letzten fünfhundert Jahren, fühlende Wesen gäbe, die dieses Sutra hören und an es glauben, es verstehen, annehmen und bewahren würden, so wären solche Menschen äußerst selten.

Und warum? Solche Personen werden weder eine Vorstellung von einem Selbst haben, noch eine Vorstellung von einer Person, noch eine Vorstellung von einem fühlenden Wesen, noch eine Vorstellung von einer Lebensspanne. Warum ist das so? Die Vorstellung von einem Selbst ist keine Vorstellung, und die Vorstellung von einer Person, einem fühlenden Wesen oder einer Lebensspanne ist auch keine Vorstellung. Und warum? Weil derjenige, der frei von allen Merkmalen ist, ein „Buddha“ genannt wird.

Der Buddha sagte zu Subhuti: So ist es, so ist es. Du solltest wissen, wenn jemand beim Hören dieses Sutras weder erstaunt sein sollte, noch erschrocken, noch von Angst erfüllt, so wäre eine solche Person ausgesprochen selten.

Und warum? Subhuti, das erste Paramita, das vom Tathagata gelehrt worden ist, ist nicht das erste Paramita - nur sein Name ist erstes Paramita. Subhuti, das Paramita der Geduld (Ksanti- Paramita) das vom Tathagata gelehrt worden ist, ist auch nicht das Paramita der Geduld; deshalb wird es Paramita der Geduld genannt. Und warum? Subhuti, in ferner Vergangenheit, als mein Leib von König Kalinga (Kaliraja) zerstückelt wurde, da hatte ich weder eine Vorstellung von einem Selbst, noch eine Vorstellung von einer Person, noch eine Vorstellung von einem fühlenden Wesen, noch eine Vorstellung von einer Lebensspanne.

Und warum? Hätte ich, als meine Glieder in Stücke geschnitten wurden, die Vorstellung von einem Selbst, die Vorstellung von einer Person, die Vorstellung von einem fühlenden Wesen oder die Vorstellung von einer Lebensspanne gehabt, so hätte ich damals gewütet und Groll gegen ihn empfunden.

Subhuti, weiterhin erinnere ich mich daran, dass ich in der Vergangenheit für fünfhundert Geburten ein der Geduld ergebener Weiser (Ksantivadi oder Ksantivadin) war. Auch damals hatte ich weder eine Vorstellung von einem Selbst, noch eine Vorstellung von einer Person, noch eine Vorstellung von einem fühlenden Wesen, noch eine Vorstellung von einer Lebensspanne.

Deshalb, Subhuti, sollte ein Bodhisattva, nachdem er sich selbst von allen Merkmalen befreit hat, den Geist der Anuttara-Samyak-Sambodhi erwecken. Er sollte den Geist erzeugen, ohne in Formen zu weilen, und ohne in Geräuschen, Gerüchen, Geschmack, Berührungen oder Dharmas zu weilen, sollte er den Geist erzeugen. Er sollte den Geist erzeugen, ohne irgendwo zu weilen.

Wenn der Geist irgendwo weilt, ist es kein (rechtes) Weilen. Deshalb lehrt der Buddha, dass der Geist eines Bodhisattva, ohne in Form zu weilen, Barmherzigkeit ausüben sollte. Subhuti, alle Bodhisattvas sollten so Barmherzigkeit zum Wohle aller fühlenden Wesen ausüben.

Alle Merkmale, die vom Tathagata gelehrt worden sind, sind keine Merkmale, und alle fühlenden Wesen, über die von Ihm gelehrt worden ist, sind ebenfalls keine fühlenden Wesen. Subhuti, der Tathagata ist Einer, der die Wahrheit spricht, der das Wirkliche spricht, der spricht, was so ist, der keine Falschheit spricht, und der nicht auf andere Weise spricht. Subhuti, der Dharma, der vom Tathagata erlangt wurde, ist weder wirklich noch unwirklich.

Subhuti, wenn ein Bodhisattva Barmherzigkeit mit einem im Dharma weilenden Geist ausüben würde, wäre er wie eine Person, die in die Dunkelheit eintritt, in der nichts gesehen werden kann, aber wenn ein Bodhisattva Barmherzigkeit mit einem nicht im Dharma weilenden Geist ausüben würde, wäre er wie eine Person mit Augen, die all die verschiedenen Formen im hellen Sonnenlicht sehen kann.

Subhuti, wenn in künftigen Zeitaltern gute Männer oder gute Frauen fähig wären, dieses Sutra anzunehmen, zu bewahren, zu lesen und vorzutragen, würde der Tathagata sie mit Seiner Buddha-Weisheit vollständig erkennen und vollständig sehen; sie alle würden unermessliche und grenzenlose verdienstvolle Tugend erlangen.


15. Die verdienstvolle Tugend, das Sutra zu bewahren

Subhuti, wenn es einen guten Mann oder eine gute Frau gäbe, der oder die am Morgen Barmherzigkeit in so vielen Gestalten praktizieren würde wie die Zahl der Sandkörner im Ganges, und wieder am Mittag Barmherzigkeit in so vielen Gestalten praktizieren würde wie die Zahl der Sandkörner im Ganges, und auch am Abend Barmherzigkeit in so vielen Gestalten praktizieren würde wie die Zahl der Sandkörner im Ganges, und auf diese Weise Barmherzigkeit in so vielen Gestalten praktizieren würde in unermesslichen Hunderten von Tausenden von Zehntausenden von Hunderten Millionen von Kalpas; und wenn es einen anderen gäbe, der beim Hören dieses Sutras es mit gläubigem Geist nicht zurückweisen würde, so würde die Segnung des Letzteren diejenige des Vorherigen bei weitem übersteigen; um wie viel mehr erst gilt dies für eine Person, die dieses Sutra aufschreiben und annehmen, bewahren, lesen, vortragen und es anderen in aller Ausführlichkeit erleuchten würde!

Subhuti, zusammenfassend gesprochen ist die verdienstvolle Tugend dieses Sutras unvorstellbar, unsagbar, unermesslich und grenzenlos. Es wird vom Tathagata für diejenigen gelehrt, die das Mahayana erweckt haben, und für diejenigen, die das Höchste Fahrzeug erweckt haben.

Wenn einige Menschen fähig wären, dieses Sutra anzunehmen und zu bewahren, zu lesen, vorzutragen und es weithin für andere zu erleuchten, wären sie dem Tathagata vollständig bekannt und von ihm vollständig gesehen worden; sie alle würden gesegnet sein mit einer Anhäufung von verdienstvoller Tugend, unermesslich, unschätzbar, grenzenlos, unvorstellbar und unaussprechlich. Diese Menschen sind ganz so, als ob sie die Anuttara-Samyak-Sambodhi des Tathagata auf ihren Rücken trügen.

Und warum? Subhuti, diejenigen, die sich an minderwertigen Dharmas erfreuen, haften der Ansicht von einem Selbst an, der Ansicht von einer Person, der Ansicht von einem fühlenden Wesen und der Ansicht von einer Lebensspanne, sodass sie unfähig sind, dieses Sutra zu hören und anzunehmen, zu lesen, vorzutragen und es für andere zu erleuchten.

Subhuti, wo immer dieses Sutra bewahrt wird, werden diesem Ort von allen Reichen der Himmel, Menschen und Asuras Opfer dargebracht werden. Es sollte bekannt sein, dass ein solcher Ort ganz so wie der Stupa des Buddha ist, wo alle sich gehorsam niederwerfen und ihn umwandeln sollten, während sie jedwede Art von Blumen opfern und Duft von Räucherwerk verbreiten.


16. Karmische Behinderung kann bereinigt werden

Wenn überdies, Subhuti, gute Männer oder gute Frauen, die dieses Sutra annehmen und bewahren, es lesen und vortragen, von anderen verachtet würden, so hätten diese Personen, verursacht durch das sündhafte Karma ihrer früheren Leben, eigentlich auf die schlechten Pfade herabsinken sollen, indem sie aber von anderen in ihrem gegenwärtigen Leben verachtet würden, würde das sündhafte Karma ihrer früheren Leben gesühnt werden, und sie sollten die Anuttara-Samyak-Sambodhi erreichen.

Subhuti, ich erinnere mich daran, dass ich in der vergangenen Periode von unzählbaren Asamkhyeya Kalpas, vor der Zeit des Buddha Dipankara, mit 84.000 Millionen von Milliarden von Nayutas aller Buddhas zusammengetroffen bin, und ihnen allen Opfer durch fromme Dienste dargebracht habe, ohne mich auch nur für eine Weile von ihnen zu entfernen.

Wenn da nun am Ende der Welt, in den letzten fünfhundert Jahren, ein anderer wäre, der dieses Sutra annehmen und bewahren, es lesen und vortragen würde, so würde die verdienstvolle Tugend, welche ich durch Darbringung der Opfer an all diese Buddhas in der vergangenen Periode erworben habe – verglichen mit der verdienstvollen Tugend dieser Person – weder einen hundertsten Teil, noch einen tausendsten, einen zehntausendsten oder einen hundertmillionsten Teil ihrer verdienstvollen Tugend erreichen. Sie könnte nicht im Mindesten mit ihrer verdienstvollen Tugend durch irgendeine Berechnung verglichen werden.

Subhuti, wenn ich in allen Einzelheiten die verdienstvolle Tugend eines guten Mannes oder einer guten Frau erklären würde, der oder die am Ende der Welt, in den letzten fünfhundert Jahren, dieses Sutra annehmen und bewahren, lesen und es vortragen würde, würden einige Menschen, wenn sie dies hörten, im Geist verwirrt werden, könnten zweifeln und ungläubig werden.

Du solltest wissen, Subhuti, dass die Bedeutung dieses Sutras unerdenklich ist und ebenso die daraus entspringende Frucht.


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17. Kein Selbst im Letzten

Dann sagte Subhuti zum Buddha: Wie, Von der Welt Verehrter Einer, sollten gute Männer oder gute Frauen, die den Geist der Anuttara-Samyak-Sambodhi erweckt haben, weilen, und wie sollten sie ihren Geist bezwingen?

Der Buddha sagte zu Subhuti: Wenn gute Männer oder gute Frauen solche wären, die den Geist der Anuttara-Samyak-Sambodhi erweckt haben, sollten sie so ihren Geist erzeugen: Alle fühlenden Wesen werde ich in das Nirvana führen. Obwohl alle fühlenden Wesen so in das Nirvana geführt worden sind, gibt es kein fühlendes Wesen, das tatsächlich in das Nirvana geführt worden ist. 

Und warum? Subhuti, wenn ein Bodhisattva die Vorstellung von einem Selbst, die Vorstellung von einer Person, die Vorstellung von einem fühlenden Wesen oder die Vorstellung von einer Lebensspanne hat, ist er kein Bodhisattva. Warum ist das so? Subhuti, es ist dies so, weil es tatsächlich keinen Dharma gibt, durch den man den Geist der Anuttara-Samyak-Sambodhi erweckt.

Subhuti, was denkst Du, gab es irgendeinen Dharma, durch den der Tathagata, als Er mit dem Buddha Dipankara zusammen war, die Anuttara-Samyak-Sambodhi erreicht hätte? In der Tat, nein, Von der Welt Verehrter Einer. So wie ich die Bedeutung von dem verstehe, was der Buddha gesagt hat, gab es keinen Dharma, durch den der Tathagata, als Er mit dem Buddha Dipankara zusammen war, die Anuttara-Samyak-Sambodhi erreicht hätte.

Der Buddha sagte: So ist es, so ist es, Subhuti. Tatsächlich gab es keinen Dharma, durch den der Tathagata die Anuttara-Samyak-Sambodhi erreichte. Subhuti, hätte es irgendeinen Dharma gegeben, durch den der Tathagata die Anuttara-Samyak-Sambodhi erreichte, hätte der Buddha Dipankara mir nicht vorausgesagt: „Du wirst in einer zukünftigen Periode ein Buddha mit dem Namen Shakyamuni sein“; aber weil es tatsächlich keinen Dharma gab, durch den die Anuttara-Samyak-Sambodhi erreicht worden wäre, sagte mir der Buddha Dipankara voraus: „Du wirst in einer zukünftigen Periode ein Buddha mit dem Namen Shakyamuni sein.“ Und warum? Weil „Tathagata“ „die Soheit aller Dharmas“ bedeutet.

Selbst wenn irgendjemand sagen würde, der Tathagata habe die Anuttara-Samyak-Sambodhi erreicht, Subhuti, gäbe es tatsächlich keinen Dharma, durch den der Buddha die Anuttara-Samyak-Sambodhi erreicht hat. Subhuti, die Anuttara-Samyak-Sambodhi, die der Tathagata erreicht hat, ist weder wirklich noch unwirklich.

Deshalb sagt der Tathagata, dass ‘alle Dharmas’ Buddha-Dharmas sind. Subhuti, die sogenannten ‘alle Dharmas’ sind nicht ‘alle Dharmas’. Deshalb werden sie alle Dharmas genannt.

Subhuti, bildlich gesprochen ist es wie der große Leib eines Menschen. Subhuti sagte: Von der Welt Verehrter Einer, der große Leib des Menschen, von dem der Tathagata gesprochen hat, ist kein großer Leib. Nur sein Name ist großer Leib.

Subhuti, dasselbe gilt auch für einen Bodhisattva. Wenn ein Bodhisattva sagen würde: „Ich werde unzählige fühlende Wesen befreien“, dann könnte er nicht Bodhisattva genannt werden. Und warum? Subhuti, weil derjenige, der tatsächlich keinen Dharma hat, Bodhisattva genannt wird. Deshalb haben alle vom Buddha gelehrten Dharmas weder ein Selbst, noch eine Person, noch ein fühlendes Wesen, noch eine Lebensspanne.

Subhuti, wenn ein Bodhisattva sagt: „Ich werde Buddha-Länder ausschmücken“, kann er nicht ein Bodhisattva genannt werden. Und warum? Es ist dies so, weil die Ausschmückung der Buddha-Länder, die der Tathagata gelehrt hat, keine Ausschmückung der Buddha-Länder ist. Deshalb wird sie Ausschmückung der Buddha-Länder genannt.

Subhuti, wenn ein Bodhisattva einer ist, der ein vollständiges Wissen vom Dharma des Nicht-Selbst hat, wird ihn der Tathagata einen echten Bodhisattva nennen.


18. Identische Ansichten des Ganzen

Was denkst Du, Subhuti, besitzt der Tathagata das körperliche Auge?
So ist es, Von der Welt Verehrter Einer. Der Tathagata besitzt das körperliche Auge.

Was denkst Du, Subhuti, besitzt der Tathagata das Deva- Auge?
So ist es, Von der Welt Verehrter Einer. Der Tathagata besitzt das Deva-Auge.

Was denkst Du, Subhuti, besitzt der Tathagata das Prajna-Auge?
So ist es, Von der Welt Verehrter Einer. Der Tathagata besitzt das Prajna-Auge.

Was denkst Du, Subhuti, besitzt der Tathagata das Dharma-Auge?
So ist es, Von der Welt Verehrter Einer. Der Tathagata besitzt das Dharma-Auge.

Was denkst Du, Subhuti, besitzt der Tathagata das Buddha-Auge?
So ist es, Von der Welt Verehrter Einer. Der Tathagata besitzt das Buddha-Auge.

Was denkst Du, Subhuti, hat der Tathagata den Sand im Ganges erwähnt?
So ist es, Von der Welt Verehrter Einer. Der Tathagata hat den Sand im Ganges erwähnt. 

Subhuti, was denkst Du? Wenn es Ganges-Flüsse gäbe so zahllos wie die Sandkörner in einem Ganges-Fluss, und wenn es so viele Buddha-Reiche gäbe wie die Sandkörner in all diesen Ganges-Flüssen, wären all dies viele Buddha-Reiche?

In der Tat, sehr viele, Von der Welt Verehrter Einer.

Der Buddha sagte zu Subhuti: All die Vielfalt des Geistes, die allen fühlenden Wesen in all diesen Buddha-Reichen widerfährt, ist dem Tathagata vollständig bekannt. Und warum? Aller Geist, den der Tathagata gelehrt hat, ist nicht Geist; deshalb wird er Geist genannt.

Warum ist das so? Subhuti, der vergangene Geist kann nicht ergriffen werden, noch kann der gegenwärtige Geist ergriffen werden, noch kann der zukünftige Geist ergriffen werden.


19. Durchdringung der Dharma-Reiche

Was denkst Du, Subhuti, wenn jemand die Dreitausend Großtausend Weltsysteme mit den sieben Kostbarkeiten gefüllt hätte, und sie dann alle aus Barmherzigkeit weggeben würde, würde er kraft dessen eine Anhäufung von Segnungen erlangen?

So ist es, Von der Welt Verehrter Einer. Diese Person würde kraft dessen eine große Anhäufung von Segnungen erlangen.

Subhuti, wenn es tatsächlich gesegnetes Verdienst gäbe, würde der Tathagata nicht davon sprechen, eine Anhäufung gesegneten Verdienstes zu erlangen. Aber weil es kein gesegnetes Verdienst gibt, spricht der Tathagata davon, eine Anhäufung gesegneten Verdienstes zu erlangen.

20. Jenseits sowohl von Form-Leib als auch von Merkmal

Was denkst Du, Subhuti, kann der Buddha anhand der Vollkommenheit Seines Form-Leibes gesehen werden?

Nein, Von der Welt Verehrter Einer. Anhand der Vollkommenheit Seines Form-Leibes kann der Tathagata nicht gesehen werden. Und warum? Die Vollkommenheit des Form-Leibes, die vom Tathagata gelehrt worden ist, ist nicht die Vollkommenheit des Form-Leibes. Deshalb wird sie die Vollkommenheit des Form-Leibes genannt.

Was denkst Du, Subhuti, kann der Tathagata in der Vollkommenheit aller Merkmale gesehen werden?

Nein, Von der Welt Verehrter Einer, der Tathagata kann nicht in der Vollkommenheit aller Merkmale gesehen werden.

Und warum? Die Vollkommenheit aller Merkmale, die der Tathagata gelehrt hat, ist nicht die Vollkommenheit aller Merkmale. Deshalb wird sie die Vollkommenheit aller Merkmale genannt.


21. Die Lehre des Nicht-Lehrens

Subhuti, sage nicht, dass der Tathagata den Gedanken hegt: „Es gibt die Dharmas, die ich gelehrt habe.“ Habe solch einen Gedanken nicht. Und warum? Weil, wenn jemand sagen würde, dass der Tathagata den Dharma gelehrt hat, er den Buddha verleumden würde und nicht imstande wäre zu verstehen, was ich gesagt habe. Subhuti, die Lehre des Dharma bedeutet, dass es keinen Dharma gibt, der gelehrt werden kann. Deshalb wird sie die Lehre des Dharma genannt.

Dann sagte der Weise Subhuti zum Buddha: Von der Welt Verehrter Einer, wird es im Zeitalter der Zukunft irgendwelche fühlende Wesen geben, die beim Hören dieses Vortrages über den Dharma an ihn glauben werden?

Der Buddha sagte: Subhuti, diese sind weder fühlende Wesen noch nicht-fühlende Wesen. Und warum? Subhuti, obwohl sie „fühlende Wesen, fühlende Wesen“ genannt werden, werden sie doch vom Tathagata als nicht-fühlende Wesen gelehrt. Deshalb werden sie fühlende Wesen genannt.


22. Kein Dharma kann erreicht werden

Subhuti sagte zum Buddha: Von der Welt Verehrter Einer, ist es nicht so, dass es kein Erreichen gibt, durch welches der Buddha die Anuttara-Samyak-Sambodhi erreicht hat?

Der Buddha sagte: So ist es, so ist es, Subhuti. Soweit die Anuttara-Samyak-Sambodhi betroffen ist, habe ich nicht einmal den geringsten Dharma erworben. Deshalb wird sie Anuttara-Samyak-Sambodhi genannt.


23. Der reine Geist ist gutes Verhalten

Darüber hinaus, Subhuti, ist dieser Dharma unparteiisch und gleich, und er ist weder hoch noch niedrig. Deshalb wird er die Anuttara-Samyak-Sambodhi genannt.

Durch Pflege aller guten Dharmas ohne Selbst, ohne Person, ohne fühlendes Wesen und ohne Lebensspanne muss die Anuttara-Samyak-Sambodhi erreicht werden. Subhuti, als nicht gute Dharmas werden die sogenannten guten Dharmas vom Tathagata gelehrt. Deshalb werden sie gute Dharmas genannt.


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24. Unvergleichlichkeit von Segnung und Weisheit

Subhuti, wenn jemand als Akt der Barmherzigkeit Stapel der sieben Kostbarkeiten weggeben würde, die dem Ausmaß aller Sumeru-Berge, den Königen der Berge in den Dreitausend Großtausend Weltsystemen gleich kämen, und wenn ein anderer von diesem Prajnaparamita-Sutra auch nur eine Strophe von vier Zeilen annehmen und bewahren, lesen, vortragen und sie anderen erleuchten würde, könnte das gesegnete Verdienst des Vorigen weder einen hundertsten Teil von dem des Letzteren erreichen, noch könnte es einen tausendsten, einen zehntausendsten oder einen hundertmillionsten Teil erreichen, noch könnte es auch nur im Mindesten mit dem des Letzteren durch irgendeine Berechnung verglichen werden.


25. Erbauung, ohne zu erbauen

Was denkst Du, Subhuti, Du solltest nicht sagen, dass der Tathagata diesen Gedanken hat: „Ich sollte fühlende Wesen erretten“. Subhuti, Du solltest keinen solchen Gedanken haben. Und warum? Weil es tatsächlich keine fühlenden Wesen gibt, die der Tathagata zu erretten hätte. Wenn es irgendwelche fühlenden Wesen gäbe, die vom Tathagata errettet werden könnten, dann würde der Tathagata ein Selbst, eine Person, ein fühlendes Wesen und eine Lebensspanne haben.

Subhuti, die Existenz von einem Selbst, die der Tathagata gelehrt hat, ist keine Existenz von einem Selbst, aber die gewöhnlichen Menschen nehmen an, dass es ein Selbst gibt. Subhuti, der Tathagata hat in seiner Lehre die gewöhnlichen Menschen ebenfalls als nicht-gewöhnliche Menschen erklärt. Deshalb werden sie gewöhnliche Menschen genannt.


26. Der Dharma-Leib ist Nicht-Merkmal

Was denkst Du, Subhuti, kann der Tathagata anhand der zweiunddreißig Merkmale wahrgenommen werden?

Subhuti sagte: So ist es, so ist es. Der Tathagata kann anhand der zweiunddreißig Merkmale wahrgenommen werden.

Der Buddha sagte zu Subhuti: Wenn der Tathagata anhand der zweiunddreißig Merkmale wahrgenommen werden könnte, wäre der Cakravartin (Cakravarti-Raja) dann auch der Tathagata?

Subhuti sagte zum Buddha: Von der Welt Verehrter Einer, so wie ich die Bedeutung von dem verstehe, was der Buddha gesagt hat, kann der Tathagata nicht anhand der zweiunddreißig Merkmale wahrgenommen werden.

Dann äußerte der Von der Welt Verehrte Eine die folgende Gatha:

Wenn jemand mich durch Form sieht
Und durch Geräusch mich sucht,
Praktiziert diese Person einen falschen Weg
Und kann den Tathagata nicht sehen.

27. Weder Ende noch Vernichtung

Subhuti, Du magst den Gedanken haben, dass der Tathagata, ohne sich auf die Vollkommenheit der Merkmale zu verlassen, die Anuttara-Samyak-Sambodhi erreicht hat. Subhuti, Du solltest den Gedanken, dass der Tathagata, ohne sich auf die Vollkommenheit der Merkmale zu verlassen, die Anuttara-Samyak-Sambodhi erreicht hat, nicht haben.

Subhuti, wenn Du den Gedanken hast, dass jemand, der die Anuttara-Samyak-Sambodhi erreicht hat, für die Vernichtung aller Dharmas eintritt, habe keinen solchen Gedanken. Und warum? Weil derjenige, der die Anuttara-Samyak-Sambodhi erreicht hat, nicht für die Vernichtung der Merkmale aller Dharmas eintritt.

28. Weder Empfangen noch Anhaftung

Subhuti, wenn ein Bodhisattva die Welten so zahllos wie die Sandkörner des Ganges mit den sieben Kostbarkeiten gefüllt hätte und sie alle aus Barmherzigkeit weggeben würde, und eine andere Person dessen gewahr wäre, dass alle Dharmas ohne Selbst sind und hierdurch die Vollkommenheit der Geduld erlangte, würde die von diesem Bodhisattva erworbene verdienstvolle Tugend bei weitem diejenige des vorigen Bodhisattva übersteigen. Und warum? Subhuti, es ist dies so, weil alle Bodhisattvas kein gesegnetes Verdienst empfangen.

Subhuti sagte zum Buddha: Von der Welt Verehrter Einer, wie kommt es, dass die Bodhisattvas kein gesegnetes Verdienst empfangen?

Subhuti, die Bodhisattvas sollten nicht mit Begierde nach dem gesegneten Verdienst gefesselt sein, das sie erzeugt haben. Deshalb wird gelehrt, dass sie kein gesegnetes Verdienst empfangen.

29. Ruhige Stille der Würde

Subhuti, wenn jemand sagt, dass der Tathagata kommt oder geht, sitzt oder liegt, versteht er die Bedeutung meiner Lehre nicht.

Und warum? Weil der Tathagata weder von irgendwoher gekommen, noch irgendwohin gegangen ist. Deshalb wird Er der Tathagata genannt.


30. Geist und Merkmal sind genau eins

Subhuti, wenn ein guter Mann oder eine gute Frau die Dreitausend Großtausend Weltsysteme zu Staubteilchen zermahlen würde, was denkst Du, wären all jene Staubteilchen viele?

Subhuti sagte: Sehr viele, Von der Welt Verehrter Einer. Und warum? Wenn all solche Staubteilchen wirklich existierten, würde der Buddha sie nicht Staubteilchen nennen. Warum ist das so? Die vom Buddha so genannten Staubteilchen sind keine Staubteilchen. Deshalb werden sie Staubteilchen genannt.

Von der Welt Verehrter Einer, die vom Buddha so genannten Dreitausend Großtausend Weltsysteme sind auch keine Weltsysteme. Deshalb werden sie Weltsysteme genannt.

Und warum? Wenn diese Welten tatsächlich existierten, sollten sie ‘eine allumfassende Merkmalseinheit’ bilden. Die vom Tathagata so genannte allumfassende Merkmalseinheit ist keine ‘allumfassende Merkmalseinheit’. Deshalb wird sie ‘eine allumfassende Merkmalseinheit’ genannt.

Subhuti, ‘eine allumfassende Merkmalseinheit’ ist jenseits von Worten, aber nur die gewöhnlichen Menschen hängen ihr begierig an.


31. Das Nichterscheinen von verstandesmässigen Ansichten

Subhuti, wenn jemand sagen würde, dass der Buddha von der Ansicht von einem Selbst, der Ansicht von einer Person, der Ansicht von einem fühlenden Wesen und der Ansicht von einer Lebensspanne sprach, was denkst Du, würde er die Bedeutung von dem verstehen, was ich gesagt habe?

In der Tat, nein, Von der Welt Verehrter Einer. Diese Person hätte die Bedeutung von dem, was der Tathagata gesagt hat, nicht verstanden. Und warum? Was der Von der Welt Verehrte Eine die Ansicht von einem Selbst, die Ansicht von einer Person, die Ansicht von einem fühlenden Wesen und die Ansicht von einer Lebensspanne nennt, ist nicht tatsächlich die Ansicht von einem Selbst, die Ansicht von einer Person, die Ansicht von einem fühlenden Wesen und die Ansicht von einer Lebensspanne; deshalb werden sie die Ansicht von einem Selbst, die Ansicht von einer Person, die Ansicht von einem fühlenden Wesen und die Ansicht von einer Lebensspanne genannt.

Subhuti, diejenigen, die den Geist der Anuttara-Samyak-Sambodhi erweckt haben, sollten so alle Dharmas kennen, sollten sie so sehen und sollten so an sie glauben und sie so verstehen; und sie sollten nicht die Vorstellung von einem Dharma erzeugen.

Subhuti, als Nicht-Vorstellung von einem Dharma wird auch die sogenannte Vorstellung von einem Dharma vom Tathagata gelehrt. Deshalb wird sie die Vorstellung von einem Dharma genannt.


32. Die Unwirklichkeit von Veränderungen

Subhuti, wenn jemand den unermesslichen Asamkhya der Welten mit den sieben Kostbarkeiten gefüllt hätte, und sie aus Barmherzigkeit weggeben würde, – und wenn, auf der anderen Seite, ein guter Mann oder eine gute Frau, der oder die den Bodhisattva-Geist erweckt hat, nachdem er oder sie dieses Sutra erlangt hat, von ihm auch nur eine Strophe von vier Zeilen annehmen und bewahren, lesen, vortragen und für andere erleuchten würde, so würde die Segnung der letzteren Person diejenige der vorigen bei weitem übertreffen.

Wie sollte es für andere erleuchtet werden?

Ohne von irgendwelchen Merkmalen gefangen zu sein, so und nur so, bleibe unbewegt.

Und warum? Weil:

Alle bedingten Dharmas
Sind wie ein Traum, eine Illusion,
Eine Blase und ein Schatten.
Sie sind wie Tau und auch wie ein Blitz.
So sollte über sie meditiert werden.

Als der Buddha damit geendet hatte, dieses Sutra zu verkünden, und der Ehrwürdige Subhuti, die Bhikshus und Bhikshunis, Laienanhänger und Laienanhängerinnen, und die vollständigen Reiche der Götter, Menschen und Asuras die Lehre des Buddha vernommen hatten, glaubten sie alle mit großer Freude an sie, trugen sie im Geist und praktizierten sie mit hoher Ehrfurcht.

 

Das Vajra-Prajnaparamita-Sutra 

– ENDE –


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